Cosmopolitan Mii – kein Auto für Männer

Ich sitze gerade vor meinem Rechner und merke wie mir die Galle hoch kommt. Meine Kollegin schreibt heute eine Mail an alle Kolleginnen und Kollegen und leitet die Mail ein mit: “Hallo liebe Kollegen,…” Ich sitze hier und denke mir so: Ob sie mich auch meint? Ich weiß, dass sie mich auch meint aber ich fühle mich mal so gar nicht angesprochen und während ich noch darüber nachdenke, ob und wie ich jetzt etwas dazu sage, purzelt plötzlich dieses “FRAUENAUTO” von Seat durch meine Twittertimeline.

Die meiste Zeit meines Autofahrerinnenlebens bin ich Seat gefahren. Hat sich meist einfach so ergeben, ich gehöre nämlich zu den Menschen, die Sportwagen unglaublich geil finden, mir persönlich ist mein eigenes Gefährt aber ziemlich schnurz-piep-egal. Solange ich nicht mehr, wie bei meiner ersten Klapperkiste, im Winter durch die Beifahrertür auf den Sitz krabbeln muss, ist alles okay. Klar feiere ich meine Sitzheizung und meine Lenkradheizung ab aber ohne wäre mein Leben nicht besser oder schlechter verlaufen. Solange die Kiste anspringt und fährt ist alles prima.

Nun bringt Seat also endlich ganz offiziell ein Frauenauto raus. Ist ja nicht so, als würde sich die Autoindustrie nicht eh schon darüber ergehen, welches Auto eher von Frauen und welches eher von Männern gefahren wird. Frauen mögen nämlich kleine, knuddelige und einfache Autos. Etwas mit dem sie leicht und wendig überall hinkommen und mit dem sie natürlich LEICHT EINPARKEN können. Etwas in das alle Einkäufe passen (besonders die High Heels und Minikleider die die Durschnittsfrau natürlich immer trägt auch während sie die Einkäufe in den Kofferraum packt) und eine Ablage für den Lippenstift, etwas das ihre langen, glatten Haare und ihren Kleidergröße 34 Körper durch jeden noch so engen Stadtverkehr bringt. Sowas lässt Frauenherzen höher schlagen.

Also meins nicht. Vielleicht bin ich einfach nur rational genug mir nicht ein Auto ans Bein zu binden, welches mich zwar als geile Bitch abstempelt oder als Frau die den Sportwagen ihres Mannes fährt, die sich dann aber keine Möbel und keinen Urlaub mehr leisten kann. Wisst ihr was mein Herz höher schlagen lässt? Ein Audi R8 oder ein Lamborghini (Ferrari nicht so), da kurbel ich auch schonmal auf der Autobahn mein Fenster runter um die Autos an mir vorbeifahren zu hören. Sowas macht mich an und dann ist es mir auch scheißegal wer da hinter dem Steuer sitzt. Es geht einfach nur um das Auto.

Zurück zum neuen Cosmopolitan Mii. Ich ärgere mich deshalb so, weil mich dieses Auto und die Präsentation dieses Autos in keinster Weise repräsentiert. Ich will auch gar nicht von einem Auto repräsentiert werden! Das ein Mann bei der Präsentation den Wagen auf die Bühne fährt, geschenkt. Ein Frauenauto kann schließlich auch von einem Mann gefahren werden. Dass dann aber wieder nur langbeinige, langhaarige Frauen im Glitzerregen um diese Karre stehen. Ich weiß nicht. Frauen dürfen Fussballpokale und Autos schön umwerben, Präsente und Blumen überreichen, also gut aussehen dürfen sie aber die Fresse aufmachen ist immer noch ein Problem. Mich macht das richtig wütend da in meiner Wahrnehmung immer mehr Produkte die Aufteilung in “die Männer/die Jungs” und “die Frauen”/”die Mädchen” finden. Ich brauche kein Frauenauto, genau genommen brauch ich bald gar kein Auto mehr und wenn ich eins brauch, dann leih ich mir so ein Car2Go irgendwas Bummsdings in irgendeiner Farbe. Dann werde ich meinen unbenutzten Lippenstift den ich nicht besitze, in die nicht dafür vorgesehene Ablage legen. Meine nicht vorhandenen mega langen Haare schütteln und mich fragen, wann das endlich aufhört, dass die Industrie uns allen, Frauen im Besonderen, klar macht, dass es unmöglich ist all den Anforderungen die so widersprüchlich sind zu genügen.

 

Frau und Auto

 

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