Passivrassismus. Verstecken gilt nicht mehr!

Haben wir, habt ihr, hab ich mich schon gefragt, was wir machen, wenn die Rechten da draußen weiter wachsen oder gar die Mehrheit bekommen? Was ist, wenn ich feststellen muss, dass ich meine Meinung nicht mehr äußern kann ohne Angst haben zu müssen. Was dann?

Es geht ein Rechtsruck durch die Welt. Der Ton wird schärfer. Der linke und/oder gebildete Teil der Gesellschaft wird dafür in einigen Zeitungsartikeln verantwortlich gemacht, als überheblich und arrogant beschrieben. Plötzlich sollen wir alle die Sorgen der besorgten Bürger ernst nehmen. Die Sorge, dass Ausländer die nicht arbeiten gehen wollen, diesen besorgten Bürgern aber dennoch die Arbeit weg nehmen? Äh ne sorry, alleine bei dieser Argumentationskette bin ich schon raus.

“Ich hab so einen Freund bei Facebook, der plötzlich rechtes Gedankengut in die Timeline spült.”

Gefährlicher als die offenkundig zu Schau getragene rechte Gesinnung, sind für mich die leisen und kleinen, kaum wahrnehmbaren rechten Meinungen, die plötzlich und unerwartet in meiner Timeline auftauchen. Menschen, die polemische Artikel von Anderen teilen, die in ihr Profil schreiben, dass sie “kein Nazi sind, aber so geht es mit Deutschland nicht weiter. Manche Dinge muss man doch auch offen aussprechen dürfen”. Ja, darfst du, aber erwarte dafür kein Zuspruch von mir.

“Ich habe auch so Menschen in meiner Timeline. Ich habe sie gemutet.”

Und genau das sehe ich als Problem. Ich habe es lange kopfschüttelnd erduldet, dass Menschen die ich kenne und schätze, ihre “Das wird man doch noch sagen dürfen”-Meinung frei von jeder Kritik äußern. Manch Anderer geht her und mutet seine “Freunde” doch damit ist die Meinung nicht weg. Sie wird weiter verbreitet, veröffentlicht und nicht in Frage gestellt. Sascha Lobo schrieb dazu im September 2016 einen Artikel  auf Spiegel Online und nennt dieses Phänomen Passivrassismus. Dieser Artikel hat mich dazu gebracht, meine Meinung nicht mehr permanent für mich zu behalten sondern aktiv nachzufragen. Ich mute niemanden, ich frage nach und gegebenenfalls beende ich die Freundschaft, allerdings nicht ohne zu erklären warum. Es gibt wenig Meinungen die ich nicht akzeptiere und respektiere. Rechtes Gedankengut steht allerdings ganz oben auf meiner nicht-akzeptabel-Liste.

“Ich warte seit Jahren darauf, dass die Mülltonnen brennen…… Tun sie ja jetzt nur auf der falschen Seite.” 

Es gibt Menschen da draußen die Angst davor haben, dass der Druck von Rechts größer wird. So hat Chris vom Mumpitz und Glitzer Podcast einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich fragt, ob er und sein Mann als Verpartnertes Paar einen Notfallplan benötigen.

Ziehen wir uns vielleicht alle zu sehr in unsere safe-places zurück? Lassen wir es zu, dass die Rechten so laut schreien? Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Monaten, dann das es oft nur in kleinen Schritten geht, im kleinen Stellung beziehen ist besser als gar keine Stellung zu beziehen. Ich möchte nicht, dass ich Menschen in meinem Kleiderschrank verstecken muss, nur weil sie die falsche Hautfarbe, die falsche sexuelle Orientierung oder die falsche Kopfform haben. Genauso möchte ich mich nicht in einem Schrank verstecken müssen. Ich möchte mir nicht selber vorwerfen müssen, dass ich nichts aber auch gar nichts dagegen getan habe. Ich denke es ist unsere verdammte Pflicht anzufangen, im Kleinen etwas gegen den Rechtsruck zu unternehmen.

Ich blende keinen mehr einfach so aus, nur weil das was er schreibt mir nicht passt. Ich werde jeden rassistischen Kommentar von nun an kommentieren und ich lade euch ein, es mir gleich zu tun.

 

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